Marrakesch ist ohne Zweifel das kulturelle und touristische Zentrum Marokkos. Die meisten Menschen lieben oder hassen Marrakesch, und einige, wie ich, pflegen eine Hass-Liebe zu dieser Stadt. Ich würde mir wünschen, dass ihr euch in sie verliebt. Um euren Besuch so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten, habe ich diesen Artikel mit den besten Sehenswürdigkeiten in Marrakesch zusammengestellt.

Die meisten Menschen haben Marrakesch vor Augen, wenn sie an Marokko denken. Die Stadt repräsentiert sehr viel von dem, was Marokko zu bieten hat. Ihr solltet also während eurer Marokkoreise unbedingt einige Zeit hier verbringen.

Idealerweise habt ihr 2 oder 3 Tage Zeit, um die verschiedenen Viertel wirklich zu erkunden und die beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Aber selbst an nur einem Tag kann man einen guten Eindruck von der Schönheit Marrakeschs gewinnen.

Ich zeige euch, was man in Marrakesch kostenlos unternehmen kann, welche Sehenswürdigkeiten man unbedingt besichtigen sollte und ich gebe euch auch Empfehlungen, welche Prioritäten ihr je nach Aufenthaltsdauer setzen solltet.

Bahia Palast Marrakesch
Bahia Palast

Einführung Marrakesch

Die Stadt ist fast 1000 Jahre alt und wurde als Handelszentrum für die Menschen von beiden Seiten des Atlasgebirges gegründet. Bald wurde sie zur Hauptstadt des Landes, aber diesen Status behielt sie damals nur für 50 Jahre. Marrakesch erlebte seine besten Zeiten, wieder als Hauptstadt Marokkos, um 1600, als die meisten der schönen Paläste unter der Saadi-Herrschaft gebaut wurden.

Die Franzosen begannen zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Modernisierung der Stadt, als sie Marokko kolonisierten. Gueliz, die Ville Nouvelle, stammt aus dieser Zeit.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt kann man also innerhalb einer halben Stunde von der mittelalterlichen Medina in eine moderne Stadt mit glänzenden Einkaufszentren reisen.

Kostenlose Attraktionen in Marrakesch

Ob ihr ein enges Budget haben oder nicht, einige der Dinge, die ihr in Marrakesch nicht verpassen solltet, sind komplett kostenlos.

Verlauft euch in der Medina

Ein guter Start, um Marrakesch zu entdecken und ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, ist sich in der Medina zu verlaufen. Mit ihren rot- und orangefarbenen Mauern sieht jede Gasse wie die nächste aus, und die meisten Menschen brauchen Jahre, um sich ohne Stadtplan darin zurechtzufinden. Ich verspreche euch also, dass ihr euch verirren werdet! Ladet am besten die maps.me App auf euer Handy bevor ihr loszieht. Dann seid ihr nicht auf Fremde angewiesen, um den Weg zurück zu finden (siehe auch Betrügereien weiter unten).

Die orange-roten Gassen sehen all gleich aus

Es macht Spaß, die vielen versteckten Schätze zu finden, kleine Läden, in denen Lampen oder Holzarbeiten hergestellt und verkauft werden. Oder kleine Cafés, die perfekt für einen Zwischenstopp sind und wo man vielleicht ein interessantes Gespräch mit einem Einheimischen führen kann.

Testet euer Geschick beim Feilschen im Souk von Marrakesch

Der Souk in Marrakesch ist riesig. Tatsächlich sind es mehrere Souks, die auf verschiedene Dinge spezialisiert sind. Man braucht keine Angst haben, sondern kann sich einfach ins Getümmel stürzen. Schaut euch nach allem um, was euch interessiert, und wenn ihr etwas gefunden habt, fragt nach dem Preis. Man darf nur nicht zu interessiert aussehen, sonst wird es viel schwieriger, einen guten Rabatt zu bekommen.

Metall lampen im souk von Marrakesch
Ein traditioneller Lampenladen im Souk

Wenn ihr nichts kaufen wollt, solltet ihr nicht nach einem Preis fragen, sondern nur schauen und immer wieder „nein, danke“ sagen (la schukran). In meinem Artikel über typische marokkanische Souvenirs finden ihr weitere Informationen über das Einkaufen in Marokko.

Bewundert die Koutoubia Moschee

Wie in den meisten Moscheen auf der ganzen Welt ist auch hier der Zutritt für Nicht-Muslime verboten. Man muss sich also mit dem schönen Äußeren und dem umgebenden Park begnügen.

Die Koutoubia Moschee war die erste Freitagsmoschee Marrakeschs und verlieh der Stadt bereits im 12. Jahrhundert ihren Status als unabhängige Stadt. Heutzutage gilt sie immer noch als eine der größten Moscheen der Welt, in die etwa 25.000 Menschen passen.

wasserfontaine mit minarett der Koutoubia Moschee im Hintergrund
Das Minarett der Koutoubia Moschee

Das 70 m hohe Minarett ist aus fast 30 km Entfernung sichtbar und damit das wichtigste Wahrzeichen von Marrakesch. Es ist nicht übermäßig dekoriert, um nicht von der allgemeinen Architektur des Gebäudes abzulenken. Dennoch wurde der Stil einige Male kopiert, z.B. im Hassan-Turm in Rabat.

Besucht die Mellah

Die Mellah in Marrakesch war einst das größte jüdische Viertel in ganz Marokko. Sie wurde im 16. Jahrhundert gegründet und war früher ein schönes und reiches Viertel. Heutzutage ist davon nicht mehr viel übrig. Auch leben hier heute vor allem Muslime.

Was die Mellah von der Medina unterscheidet, ist die Architektur. Hier findet man Fenster und Balkone, die sich zu den Straßen hin öffnen, während in der Medina alle Häuser von soliden Mauern umgeben sind und die Fenster zu den Innenhöfen hin offen sind. Es lohnt sich, die Synagoge, die immer noch in Gebrauch ist, und den Friedhof zu besichtigen.

Schaufensterbummeln in Gueliz

Wenn ihr eine Pause vom Lärm und den stinkenden Motorrädern in der Medina braucht, empfehle ich einen Schaufensterbummel in Gueliz. Hier findet man hauptsächlich europäische Marken, aber es gibt auch einige Boutiquen, die moderne marokkanische Mode oder Fusion-Couture verkaufen.

Und auch wenn ihr der typisch marokkanischen Küche überdrüssig seid, findet man hier zur Abwechslung für die Geschmacksnerven alle möglichen internationalen Restaurants.

Sonnenuntergang über dem Jemaa al fna

Eine der Hauptattraktionen und unterhaltsamsten Erlebnisse in Marrakesch ist ein Abend auf dem Jemaa al fna, dem Hauptplatz der Stadt. Ich empfehle, den Sonnenuntergang von einer der Dachterrassen zu genießen und dabei an einem Orangensaft oder einem traditionellen Minztee zu nippen.

Der Jemaa el Fna ist besonders abends ein echtes Erlebnis

Später kann man über den Platz spazieren und den Geschichtenerzählern zuschauen oder traditioneller Musik lauschen. Die besten Geschichtenerzähler findet man, indem man nach dem größten Menschenknäuel Ausschau hält. Und auch wenn man keine der lokalen Berbersprachen versteht, ist es wirklich faszinierend anzuschauen.

Die besten Sehenswürdigkeiten in Marrakesch

Und dann gibt es natürlich einige Orte, die Eintritt kosten, meistens 70 MAD (~7€) für Ausländer und 10 MAD für Marokkaner. Es scheint teuer, aber ich finde es lohnt sich, dafür zu bezahlen. Man erhält interessante Einblicke in die Geschichte Marrakeschs. Und ich kann mir nur vorstellen, wie viel der Unterhalt dieser Gebäude und Gärten kostet.

Bab Agnaou

El Badi Palast

Auch wenn vom El Badi-Palast nur noch Ruinen übrig sind, ist er einen Besuch wert. Der gesamte Komplex ist riesig, so dass ihr, auch wenn es nicht viele Details zu betrachten gibt, etwas Zeit für einen Besuch mitbringen solltet.

Der Innenhof des El Badi Palastes

Früher gab es 360 Räume, die den immensen zentralen Innenhof umgaben, in dem sich ein riesiger Pool befand (der wird heute nur noch zu besonderen Anlässen mit Wasser gefüllt). Man sollte unbedingt in den zweiten Stock hinaufsteigen, um einen Blick auf das Atlasgebirge zu erhaschen, wenn die Luft klar genug ist. Außerdem nisten unzählige Störche auf den umgebenden Mauern.

Bahia Palast

Der Bahia Palast ist wahrscheinlich das schönste Gebäude in ganz Marokko. Wenn ihr ein Fan von Mosaiken, schönen Fenstern und prunkvollen Türen seid, dann ist dies ein absolutes Muss. Der Palast wurde in den 1890er Jahren erbaut und der Legende nach wurde er vom Herrscher von Marrakesch, seiner Familie und Dutzende von Konkubinen bewohnt. Man kann die Innenhöfe und viele Räume besichtigen. Allerdings wird ein Teil des Gebäudes gelegentlich als Unterkunft für wichtige Gäste genutzt und ist nicht für die Besucher zugänglich.

Der Bahia Palast, das wohl schönste Gebäude Marokkos

Jüdischer Friedhof

Der jüdische Friedhof ist über die Mellah leicht zu erreichen. Es ist wahrscheinlich der am wenigsten schöne Friedhof, auf dem ich je gewesen bin, da die Gräber alle aus Betonblöcken bestehen und kein Grün in Sicht ist. Aber es ist eine interessante Erfahrung und die kleine Gebühr wert. Es gibt auch Informationstafeln über die Geschichte des Friedhofs.

Der Jüdische Friedhof in Marrakesch

Die Saadiergräber

Die Saadiergräber stammen aus dem 16. Jahrhundert und sind die Nekropole des ehemaligen Sultans von Marrakesch, Ahmad al Mansour, der den El Badi Palast erbaute. Er und seine Familie sind in zwei Mausoleen begraben, die wunderbar mit Mosaiken, Säulen und Zedernholztüren geschmückt sind.

Lange Jahre hinter den Mauern der Kasbah-Moschee versteckt, sind sie erstaunlich gut erhalten. Ein weiterer Grund für einen Besuch ist der umliegende Garten mit Hunderten von Orangenbäumen, die man am besten im Frühling besucht, wenn sie blühen und ihr Duft in der Luft versüßt.

Le Jardin Secret

Natürlich gibt es berühmtere Gärten in Marrakesch, den Jardin Majorelle und den Mamounia-Garten, aber sie sind sehr überlaufen. Deshalb empfehle ich den Besuch vom Le Jardin Secret in der Medina. Es ist ein wunderschöner kleiner Garten im Innenhof eines alten Riads.

Der exotische Teil der Jardin Secret

Der eine Teil ist ein traditioneller islamischer Garten mit geometrischer Gestaltung, der andere ein „chaotischer“ exotischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt. Ein weiterer Grund für einen Besuch ist, sich über die einzigartige Art und Weise zu informieren, wie der Garten bewässert wird.

Medersa Ben Youssef (geschlossen bis Okt. 2020)

Die Medersa ist das dritte Gebäude aus der Saadierzeit in Marrakesch. Derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, sollte man sie unbedingt besuchen, wenn sie wiedereröffnet wird. Die Wände sind aufwendig dekoriert und mit Mosaiken, Stuck und Holzschnitzereien bedeckt. Die Medersa Ben Youssef war einst die größte Koranschule Nordafrikas und war von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1960 in Gebrauch.

Wie sicher ist Marrakesch?

Ich denke, das kann niemand mit Sicherheit wissen, aber ich hatte nie wirkliche Probleme. Meistens sind es nur Typen, die einem hinterher pfeifen oder versuchen, einem zu viel Geld für Souvenirs abzuluchsen. Es hängt also vor allem von der eigenen Persönlichkeit ab, ob man sich bedroht oder belästigt fühlt, denke ich. Aber um euch ein wenig auf das vorzubereiten, was auf euch zukommen könnte, sind hier die häufigsten Betrügereien, denen man in Marrakesch (oder anderen marokkanischen Städten) begegnen kann.

Betrügereien in der Medina

Es scheint ein beliebter Zeitvertreib der Einheimischen zu sein, einem den Weg in die falsche Richtung zu weisen, wenn man sich bereits verirrt hat. Dann wollen sie dafür bezahlt werden, dass sie einem den richtigen Weg zeigen, nachdem man wie verrückt herumgelaufen ist.

Dies gilt insbesondere für die Gegend um die Gerbereien, wo man auch eine kostenlose Führung versprochen bekommt, die man allerdings dann doch bezahlen muss, wenn sie beendet ist und man versucht, den Weg zurück zu finden. Man sollte also immer wissen, wo man sich befindet, z.B. mit der kostenlosen maps.me App. Und wenn ihr vorhabt, auch Fez zu besuchen, dann besucht die Gerbereien lieber dort, sie sind viel beeidruckender.

Über den Dächern von Marrakesch

Betrügereien auf dem Jemaa al fna

Bitte macht keine Fotos mit den Affen oder Schlangen, da sie absolut nicht artgerecht gehalten werden. Zum Teil werden sie sogar mit Medikamenten ruhiggestellt.

Als Frau sollte man sich vor den Frauen in Acht nehmen, die versuchen, einem Henna auf die Hände zu malen, bevor man es überhaupt bemerkt. Es wird erwartet, dass man sie bezahlt, obwohl man das Henna gar nicht möchte. Und das Henna, das sie verwenden, ist häufig eine chemische Version, die schwere Hautreaktionen verursachen kann.

Und natürlich, wie an jedem überfüllten Ort, Vorsicht vor Taschendieben!

Empfehlungen für 1 oder 3 Tage in Marrakesch

Wie versprochen, gebe ich euch eine Empfehlung für die perfekte Zeiteinteilung für den Besuch in Marrakesch. Der Plan für nur einen Tag ist mit meinen persönlichen Favoriten gefüllt. Und wenn ihr mehr Zeit habt, seht euch sich den untenstehenden 3-Tages-Plan an.

Ein Tag in Marrakesch

  • – Bahia Palast
  • – El Baadi Palast
  • – Le Jardin Secret
  • – Spaziergang durch die Medina und den Souk
  • – Verbringt den Abend auf dem Jemaa el Fna
Im Jardin Secret in Marrakesch

Drei Tage in Marrakesch

Wenn ihr 3 Tage in Marrakesch verbringt, schlage ich euch Folgendes vor:

Tag 1:

  • – Bahia Palast
  • – Mellah
  • – Jüdischer Friedhof
  • – Saadische Gräber
  • – El Baadi Palast

Tag 2:

  • – Spaziergang durch die Medina und den Souk
  • – Medersa ben Youssef (geschlossen bis Okt. 2020)
  • – Le Jardin Secret
  • – Jemaa el fna am Abend
Die Überreste des El Badi Palastes

Tag 3:

  • – Gueliz
  • – Jardin Majorelle
  • – Koutoubia Moschee

Ich hoffe, der Artikel hilft euch, euren Marrakesch Urlaub zu planen und den Aufenthalt in der Stadt in vollen Zügen zu genießen!

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